»Neues Deutschland« vermeldet auf Seite 1 (Ausgabe 14./15.02.2009), eine Grundsatzeinigung zwischen Hamas und Israel wäre durch Ägypten vermittelt worden:
"Danach muss die Hamas unter anderem sicherstellen, dass Israel weder mit Raketen noch mit Mörsergranaten angegriffen wird. Als Verstoß gelten außerdem das Legen von Bomben am Grenzzaun sowie Terroranschläge in Israel."
Aha. Die Israelis wollen nicht mehr beschossen werden. Eine Selbstverstädlichkeit. Dass die Hamas dem zustimmt, deutet allerdings darauf hin, dass der Hamas der Raketenbaustoff ausgegangen ist. Denn das Schicksal der palästinensischen Bevölkerung ist ihnen schlicht egal: Nachdem sich die Hamas im Juni 2008 im Gaza-Streifen an die Macht geputscht hatte, gingen sie nicht nur gegen Fatah-Organisationen vor, sondern auch gegen alle möglichen Hilfsorganisationen und die unabhängige Presse. Unter anderem wurde ein für die ARD tätiger Kameramann inhaftiert und gefoltert:
Die Fatah handelte nach dem alten, in diesen Breitengraden nach wie vor beliebten Grundsatz: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Pro verhaftetetem Fatah-Mann in Gaza ein verhafteter Hamas-Anhänger im Westjordanland. Persönliche Verantwortung oder Schuld? Egal - Sippenhaft ist dort nicht nur ein Stichwort: Tatsächlich sind dort mächtige Familienclans Grundlage der politischen Macht. Wahl hin oder her.
Im August 2008 nahm die Hamas die verbliebenen Fatah-Anhänger dermaßen unbarmherzig ins Visier, dass 200 von ihnen in Israel (!) Schutz suchen mussten. Die Verwüstungen, die die Hamas dabei in Gaza anrichtete, waren so schlimm, dass sich laut FAZ Einwohner aus Gaza-Stadt nicht daran erinnern konnten,
"dass die israelische Armee jemals so gewütet habe wie die maskierten Kämpfer der Islamisten: Hunderte Granaten und Kassam-Raketen seien abgefeuert worden, sogar auf ein mehrstöckiges Wohnhaus."
Wenn man den FAZ-Text jetzt noch einmal liest, stellt sich unwillkürlich die Frage: Sind die entsetzlichen Verwüstungen in Gaza-Stadt tatsächlich von der israelischen Armee zu verantworten oder handelt es sich "Überbleibsel" der Hamas-Übergriffe einige Monate zuvor?
Wenn es tote Palästinenser gibt, am besten tote Kinder, dann ist die Hamas ganz hilfbereit und führt die Presse an den Ort des Geschehens. Nimmt die Hamas aber selbst ihre "Mitbürger" ins Visier, dann landen Journalisten im Gefängnis.
Eine andere Merkwürdigkeit dieses Dauer-Konfliktes besteht darin, dass wir ständig davon hören, wie viele Palästinenser verletzt und getötet wurden. Auf israelischer Seite scheint es dagegen kaum Opfer zu geben. Das liegt zum einen wohl daran, dass sich der israelische Staat um den Schutz seiner Bürger kümmert. D.h. es gibt Schutzräume, Raketenwarnungen und Versuche, Fluggeschosse abzuwehren.
Für die Hamas (und Hizbollah zuvor) aber sind Bilder von toten Palästinensern, am besten toten Kindern, die wichtigste Waffe. Deswegen gibt es nicht nur keinen Schutz der Zivilbevölkerung, sondern es werden Angriffe mitten aus Wohngebieten heraus gestartet: Schlägt die israelische Armee zurück, sind so zivile Opfer garantiert. Und da weder Hamas noch Hizbollah bei ihrem Kampf gegen Israel eine Uniform tragen, muss man nur das Gewehr wegnehmen, um aus einem toten Hamas-Kämpfer einen toten Zivilisten zumachen.
Wenn man tatsächlich danach sucht, kann man auch
Opfer von palästinensischem Terror im Internet finden. Diese Liste ist nicht neu (aber dafür ins Deutsche übersetzt), zeigt jedoch: Alle paar Tage sterben Israelis durch palästinensischen Terror. Und man fragt sich, warum in der grundsätzlichen Vereinbarung über eine Waffenruhe das Erschießen von Israelis nicht enthalten ist - immer wieder werden Menschen von palästinensischem Gebiet aus erschossen...
Auch auf etwas anderes will die Hamas sich nicht einlassen: Die Freilassung des 2006 entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit. Israel würde dafür sogar 1.000 inhaftierte Palästienser freilassen. Auch Mörder. Aber entweder ist das nicht genug - oder Gilad Schalit ist längst tot. Aber selbst für die Übergabe des Leichnams würden Gefängnis-Insassen freigelassen. 'Besser heute als morgen', denken vermutlich die meisten Inhaftierten.
Aber wie gesagt: Der Hamas geht es nicht um das Wohl der Menschen oder wenigstens das Wohl der Einwohner des Gaza-Streifens. Es geht um 'höhere' Ziele - für die die kleinen Leute sterben...