Montag, 6. Oktober 2008

Wie kommt der US-Konzern Healthways an deutsche Patientendaten?

... fragte Report Mainz am18.08.2008. Antwort: Durch die Krankenkasse, in diesem Fall die DAK. Diese meint, der Bundesdatenschutzbeauftragter wäre nicht zuständig, sondern das Bundesversicherungsamt! Und selbiges prüfe noch...

"Ein altes Wort kommt wieder neu in Mode: Datenschutz. Bis vor Kurzem hatte man den Eindruck das Thema sei passé, sei weggespült vom aufziehenden Internetzeitalter. Doch nun läuten sie immer öfter, die Alarmglocken. [...]

Vom Geschäftsführer von Healthways bekommen wir ein überraschendes Eingeständnis. Michael Klein, Geschäftsführer Healthways International GmbH:»Die DAK identifiziert potentielle Kandidaten und stellt diese Kandidaten zur Verfügung.«

Frage: Das heißt, die DAK übermittelt die Daten an Sie, und Sie kontaktieren dann die Leute? »Ja, genau. Wir bekommen von ihnen die Stammdaten, das sind die Adresse, der Name, wir bekommen von ihnen Krankenhausdaten, Arzneimitteldaten und die Diagnose.«

Frage: Sie haben die Daten, bevor jemand eingewilligt hat, dass er am Programm teilnimmt?»Definitiv!«"

Wie kommen deutsche Gewehre nach Georgien?

... fragte Report Mainz am18.08.2008.

"Als Krisenregion war Georgien schon lange tabu für Rüstungsexporte. [...] Wie dann das Kriegsgerät trotzdem nach Georgien kam, könne Heckler und Koch nicht erklären. Ein Interview lehnt das Unternehmen ab."

Otfried Nassauer, Leiter Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit: »Egal, wie diese Waffen nach Georgien gekommen sind, ob sie illegal aus Deutschland geliefert worden sind, ob ein Lizenzbauer gegen die deutschen Regel verstoßen hat oder ob ein Empfänger dieser Waffen, der sie auf legalem Weg aus Deutschland kriegte, unberechtigterweise weiterexportiert hat – auf jeden Fall zeigt sich, dass es ein klares Problem mit der deutschen Rüstungsexportkontrolle und der Kontrolle des Endverbleibs solcher Waffen gibt. [...] Dass die deutschen G36 schon auf einem Foto aus dem Jahr 2005 auftauchen, ist ein starkes Indiz dafür, dass die deutschen Behörden, die in Georgien arbeiten, entweder die Augen zugemacht haben, oder die Bundesregierung sich mit solchen Exportfällen erst dann beschäftigt, wenn die Öffentlichkeit darauf aufmerksam geworden ist.«

Es ist nicht der Markt, es sind die Manager!?

"Es ist nicht der Markt", sagte gerade der FDP-Haushaltsexperte Jürgen Koppelin in Radio Eins, "es sind die Manager".

Stimmt! Es sind auch nicht die Waffen, die töten, sondern mordlüsterne Menschen, die sie benutzen. Da man diese Menschen aber nicht kontrollieren kann, wird der Waffenhandel reglementiert. Trotzdem gelangen immer wieder Waffen in Krisengebiete (z. B. Wie kommen deutsche Gewehre nach Georgien?). Aber die Antwort darauf kann doch nicht sein, den Handel komplett freizugeben!?

Auch Manager kann man nicht ausreichend kontrollieren. Und Manager haften schon längst für ihre Fehler: Dafür gibt es eine Berufshaftpflichtversicherung, deren Prämie von den Unternehmen getragen wird, die die Manager einstellen.

Aber während Lotterien staatlich reglementiert sind und einen Großteil ihres Gewinns an den Staat und damit an die Allgemeinheit abtreten müssen, finden Börsen-Lotterien weitgehend außerhalb von staatlichem Zugriff statt und können auch noch die gesamte Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen!

Und damit es nicht noch schlimmer wird, müssen jetzt die normalen Steuerzahler auf der ganzen Welt Milliarden über Milliarden in das System buttern, während die Börsen-Lotterie ohne eine Veränderung oder Absicherung wieder anläuft: Die Jungs dürfen wieder zocken.

Sonntag, 5. Oktober 2008

Nahrungsmittelknappheit: "Die Krise hat erst begonnen"

Kostenexplosion bei den Nahrungsmitteln durch den steigenden Ölpreis, weltweite Verringerung der Anbaufläche durch den Klimawandel - Alexander Müller, Vize-Generaldirektor der FAO, sagt im SPIEGEL-Interview (01.06.2008), wie eine Ernährungskrise vermieden werden kann.

Müller: "Die althergebrachte Landwirtschaft ist selbst sehr energieintensiv. Für Dünger, Pestizide, Traktoren und Transport ist sie auf Erdöl angewiesen. Um davon wegzukommen, setzen obendrein viele Regierungen ausgerechnet auf Kraftstoffe aus Agrarprodukten. Das wiederum koppelt den Brotpreis an den Ölpreis."

Müller: "Wir werden bald Karten veröffentlichen, auf denen man sehen kann, in welchen Regionen der Welt die Landwirtschaft Kohlenstoff speichern kann, wie die Flächen zu bewirtschaften sind und wo aufgeforstet werden muss."

Müller: "20 bis 50 Prozent des Preisschubs bei Lebensmitteln werden durch die Nachfrage nach Energiepflanzen verursacht."

Zwei Dollar pro Kuh am Tag

„Mich überfällt ein Gefühl der Scham und Empörung, wenn ich höre, dass rund 100.000 Menschen am Tag sterben an Hungersnöten und Seuchen, die absolut vermeidbar wären. Und was machen wir im reichen Europa? Nun, wir sorgen dafür, dass die Armut schön bleibt, wo sie ist. Indem wir z. B. die Landwirtschaft hier subventionieren. Für jede Kuh, die in Europa steht, bezahlen wir zwei Dollar am Tag. Da können die Armen preislich nie mithalten. Sie haben keine Chance, auf unseren Märkten etwas zu verkaufen. Zwei Dollar pro Kuh am Tag – ein Mensch bräuchte weniger, um zu überleben.“

Ingolf Baur, Moderator des 3sat-Magazins Nano

Wahlkampf: Zu viele Inhalte stören

„Man muss sich mal davon befreien, dass der Inhalt das erste und wesentliche Moment in einem Wahlkampf ist. Wir hatten auf der einen Seite sehr viele Inhalte und auf der anderen Seite eine relative Emotionalisierung. Auf der Seiten der großen Parteien gab es sehr viele Inhalte. Und das hat nicht funktioniert. Was es aber nicht gab, war eine positive Emotionalisierung. Eine die Vertrauen, Überzeugung und Zutrauen herstellt.“

Interview mit der österreichischen Publizistin Isolde Charim über die Wahlen in Bayern und Österreich im 3sat-Magazin Kulturzeit 29.09.08

Hunger vs. Bankenkrise

„Das kann einen schon ärgerlich machen, wenn man sieht, wie praktisch über Nacht zur Lösung eines zugegebenermaßen großen Problems mehrere hundert Milliarden Dollar vorhanden sind, dass aber in Landwirtschaft, in die Hungerbekämpfung, in Alphabetisierungkampagnen, in den Kampf gegen die Armut es nicht möglich ist, zwanzig Milliarden Dollar oder Euro jährlich zu investieren.“

Alexander Müller, Vize-Generaldirektor der FAO, im Interview am 23.09.2008 beim 3sat-Magazin Nano.

siehe auch: Nahrungsmittelknappheit: "Die Krise hat erst begonnen"

Das Gemeinwohl

Hans-Jochen Vogel: „Ich würde bitten, dass wir bei aller Notwendigkeit der gegenseitigen Kritik gelegentlich an das Gemeinwohl denken und an das, was unterstützt werden muss.“

Menschen bei Maischberger, ARD 30.09.2008

AUB - Kauf dir eine Gewerkschaft

Bei Siemens ist er aufgeflogen, aber es gab wohl noch mehr Interessenten: Wollten 40 Unternehmen bei Schelsky Betriebsräte kaufen? (20.09.2008)

Das deutsche Unternehmen namens Hypo Real Estate

Man hätte es sich ja denken können: 35 Milliarden (Euro oder Dollar oder Ostereier oder auch egal) reichen einfach nicht. Unter 100 Milliarden macht es doch keine Bank mehr...

Hypo Real Estate kämpft ums Überleben (04.10.2008)

Neuer PKK-Angriff

Das hilft ja nun wirklich niemandem: Mehr als dreißig Tote bei Kampf um türkischen Grenzposten (04.10.2008)

Samstag, 4. Oktober 2008

Al Kaida-Taktik: Jetzt dürfen sich auch Frauen in die Luft sprengen

Selbstmord-Attentäterinnen im Irak: Der Tod unter der Abaja (04.10.2008)

Die Telekom mal wieder...

Daten von 17 Millionen T-Mobile-Kunden geklaut (04.10.2008). Aber immerhin: "T-Mobile bietet für Kundenfragen zum Datenklau eine kostenlose Hotline unter der Telefonnummer 0800/330 03 45 05 an. Kunden können auf Wunsch auch kostenlos ihre Mobilfunknummer ändern lassen."

Die Jungs dürfen wieder zocken

US-Börsenaufsicht lässt Leerverkäufe wieder zu: Freie Bahn für US-Spekulanten (04.10.2008) und Bush feiert sich selbst: Erleichterung bei Bush nach Zustimmung im Kongress (04.10.2008)

Die Fortsetzung des Krieges mit terroristischen Mitteln

In Lkw versteckte Bome explodiert in Zchinwali: Sechs Tote bei Anschlag in Südossetien (03.10.2008).

Zensur im Auftrag des chinesischen Staates

Über Yahoo und Google war es schon länger bekannt, aber auch Skype zensiert, und zwar Chat-Nachrichten.

Montag, 29. September 2008

Verstaatlichungen in der Freien Marktwirtschaft

Eigentlich ist Einmischung des Staates ja Teufelszeug. Der Markt reguliert sich selbst. Oder so. Aber in der Pleite darf der Staat auch mal einspringen. Und die Steuerzahler blechen doppelt und dreifach. Aber: »Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte es unterdessen ab, Banken grundsätzlich staatliche Hilfe bei Zahlungsproblemen wegen der Finanzkrise zuzusagen. "Der Bund kann und will keinen Blankoscheck für alle Banken ausstellen, egal, ob sie sich verantwortungsvoll verhalten oder nicht", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Der Staat werde aber das Vertrauen der Menschen in die Wirtschaft weiter schützen.« (01.10.2008 tagesschau.de: Hypo Real Estate wird nicht abgewickelt)

Abschreibungen

Hier eine Milliarde, dort eine Milliarde -- oder doch "nur" ein paar hundert Millionen?

Sonntag, 28. September 2008

Kalter Windhauch aus dem Westen...

Manchmal habe ich den Eindruck, es wäre nur mir aufgefallen: Die Georgier haben angefangen zu schießen, aber die Russen sind die Bösen...

Den NachDenkSeiten ist ein merkwürdiger Umgang mit einem Putin-Interview aufgefallen: Die Behandlung des Putin-Interviews in der ARD

Auch der Spindoktor hat einiges Interessantes gesammelt: Propaganda-Krieg im Kaukasus.

25 Milliarden für die US-Autoindustrie

Die amerikanischen Autobauer haben die Entwicklung sparsamerer Motoren und Alternativ-Antriebe genauso verschlafen wie die deutschen. Die Bundesregierung wollte die deutschen Konzerne durch die Erhöhung der Biotreibstoffquote unterstützen: Wenn mehr Bio im Tank ist, darf auch mehr verbraucht werden.

Dumm nur, dass die erhöhte Nachfrage nach Biotreibstoff...
  • die Preise für Nahrungsmittel explodieren ließ und die Zahl der hungernden Menschen erhöht hat,
  • die Rohdung von Regenwald in allen Teilen der Welt beschleunigte, so dass "Biotreibstoff" für das Klima noch schädlicher ist als Benzin aus Erdöl,
  • die weitere Vernichtung von Regenwald, die Lebensgrundlagen vieler Menschen, Tiere und Pflanzen unwiederbringlich zerstört, so dass an "Biotreibstoff" eigentlich überhaupt nichts "bio" ist.
Selbstredend hat keines dieser Argumente die Bundesregierung auch nur an eine Änderung ihrer "Biotreibstoff"-Politik denken lassen. Schließlich geht es um die Rettung der deutschen Autoindustrie! Die Wende in der Meinungsbildung der großen Koalition kam erst, als publik wurde, dass eine große Anzahl der zugelassenen Autos durch die erhöhte "Biotreibstoff"-Quote Schäden davon tragen würde. Tja, die Autoindustrie hat zwar so einige gut dotierte Ehrenpöstchen für Politiker zu bieten, aber wenn die Autobesitzer die Politiker nicht wieder wählen, wäre der Doppelt- und Dreifachverdienst passé.

Die amerikanischen Politiker dagegen tun nicht einmal so, als ob sie sich fürs Wahlvolk interessieren würden. Ein Bedenkenträger der Republikaner gab zwar kurz zu Protokoll, dass es doch "unamerikanisch" wäre, wenn der Staat die Unternehmen subventioniere (als ob es keine Subventionen für amerikanische und Handelsbarrieren für ausländische Unternehmen dort gäbe). Aber nun fließt das Geld reichlich an alle, die an die Pforte des Weißen Hauses klopfen. Arme Amerikaner oder gar Hungerflüchtlinge werden selbstverständlich nicht so weit vorgelassen.

tagesschau.de: 25 Milliarden Dollar für US-Autohersteller

Samstag, 27. September 2008

Das Prinzip Verantwortung: WALL•E

WALL-E_aloneZusammen mit meinem Blog startet der Film »WALL•E -- Der Letzte räumt die Erde auf«.

Der Kleine müht sich nach Kräften an der gigantischen Aufgabe, die gesamte Erde aufzuräumen. Die Menschheit hat sich ins Weltall zurückgezogen und lässt sich dort von weiteren Robotern "helfen" oder präziser: sämtliche Verantwortung abnehmen, so dass den Menschen jeglicher Kontakt mit der Realität abhanden gekommen ist. Nur der 700 Jahre alte WALL•E hat die ursprüngliche Programmierung: Roboter sollen Menschen helfen -- aber nicht deren Leben ersetzen. Dabei nimmt WALL•E den Kampf mit der Roboterbürokratie auf, zettelt einen Aufstand der in eine Art "Roboter-Psychiatrie" abgeschobenen Blechbüchsen an und erinnert nebenbei die Menschen daran, was Leben bedeutet.

Und dass es sich lohnt, bisweilen genauer hinzuschauen...

WALL-E-und-Freund

Willkommen im Winkel..

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